Verweile doch
Ausstellung im Haus der Begegnung 24.3.2015

Grauer Morgen. Graues Zimmer. 

Graues Handtuch. Grauer Flur. 

Graue Luft. Grauer Weg.
Graue Pfützen. Grauer Himmel. Da!

Lauter Schrei oben.
Graue Dreiecke teilen die Wolken.
Endlich!
Die wilden Gänse kehren wieder bei uns ein. 

Wie weiß ist das Grau.

 

Lichtwechsel betitelte ich dies kleine Gedicht. Und damit sind wir schon mitten drin in der Welt, die unsere Sinne spüren und unsere Hände aufs Papier und die Leinwand bannen oder in Keramik, Ton oder Stein hineindrücken oder besser noch herausarbeiten.
Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich bleibe stehen, sobald ich den Ruf der Graugänse im Frühling höre. Meine Augen folgen ihrem Flug am Himmel und ich versuche, die Anzahl der Tiere schnell mit den Augen zu erfassen, was mir meist nicht gelingt. Und dann wünschte ich mir, mit den Gänsen zu fliegen. Wie es wohl wäre, in der Luft zu schweben und von oben auf unsere Welt hinabzuschauen, auf die Natur, auf die Menschenwerke, und einzutauchen in das Blau des Himmels, in das Grün der Wälder, in das Rot und Gelb der Blüten.

 

In die Welt der Farben und der Sichtweisen auf Menschen, auf Dinge, auf Pflanzen und Tiere möchten wir Sie entführen und zwar mit der Ausstellung, die wir heute hier im Haus der Begegnung am Teufelssee mit dem Titel „verweile doch!“ eröffnen.

 

WIR das sind eine Gruppe von Frauen aus Teltow, Stahnsdorf, Kleinmachnow, Potsdam, Oberkrämer und Berlin-Zehlendorf.

 

WIR das sind zehn Frauen, die in ihrem Leben entdeckt haben, dass sie mehr können, als Haushalt und Familie zu organisieren und verschiedene herkömmliche Berufe auszuüben.

 

WIR zehn empfinden eine besondere Befriedigung darin, Lebenserfahrung, Lebenserkenntnis, Beobachtungen im Alltag, Selbstzweifel, Freude, und unsere Ziele mit verschiedenen Mitteln der Kunst auszudrücken.

 

WIR haben uns in den letzten elf Jahren ein künstlerisches Repertoire erarbeitet, das von Malerei mit Öl, Acryl und Aquarell reicht und über Collagen, Photographien, Skulpturen, Installationen, Grafik und Illustrationen bis hin zur Verarbeitung eigener Texte weitergeht. Von fast all diesen Genres finden Sie hier in der Ausstellung eine Kostprobe.

 

...

 

Manfred Krug sang vor Jahrzehnten „Denk ich an Frühling, fällt mir Liebe ein.“ Ja, bei beiden, den ersten hellen Sonnentagen und der Liebe, wünschte man sich, dass die Uhr stehenbliebe, dass diese Momente nie vergehen mögen, dass man mit diesem Hochgefühl alles schaffen könne. In unserer diesjährige Frühjahrsausstellung wünschten wir uns „...verweile doch!“. Dem Ausstellungsmotto zugeordnet wurden ältere Werke, aber viele neue, die eigens für die Begegnung mit den Besuchern dieses Hauses geschaffen wurden. Dabei benutzte jede von uns – wie immer – ihre eigene künstlerische Sprache, mit der sie diese Sehnsucht in Bildmotive umsetzte und hoffte, dass sie den Betrachtenden vor ihrem Werk zum Innehalten, zum Verweilen, zum Wandern der Gedanken in zurückliegende und zukünftige Glücksmomente bringen könnte.

 

Da gibt es die Stille des Abends, das Licht in der Dunkelheit, da gibt es das stille Haus oder die alte Scheune am Bodden. Da faszinieren die Wolkenkratzer mit ihren Straßenschluchten. Da schwimmt die kleine farbenfreudige Mandarin-Ente und hält unsere Augen fest, und immer wieder tauchen die uns umgebenden und zu Träumen anregenden Landschaften auf, die Bäume, Blüten und Blätter, die uns die Brust weiten. Eine Schnecke auf einer Sonnenblume. Ein wenig kitschig, meinte die Malerin und sagte gleichzeitig: „Mehr verweilen geht nicht.“

 

Da leuchten die Erinnerung an die Kindheit und an Menschen auf, die uns eine Strecke des Lebensweges begleiteten, die uns mit ihren Augen und ihrem Leben immer wieder interessieren. Da gibt es auch die Lebensmomente, die wir eigentlich auslöschen möchten und doch nicht können, aber die doch gleichzeitig das Fundament vom Heute stützen.

 

Hinter vielen Bildern steht eine kleine Geschichte wie bei dem Musikclown mit dem Titel „concerto grosso“ oder auch mit dem Saxophon-Spieler, der seine Musik in Barcelona auf dem jüdischen Berg machte und mit dem Schwingen und Drehen der Töne seines Instrumentes in der Luft zum Verweilen aufforderte und diese Wirkung auch auf dem Viereck der Leinwand hat.

 

Jeder Mensch betrachtet ein Kunstwerk mit seinen Augen, seinen Lebenserfahrungen, seinem momentanen Zustand und sieht manches, was der Nebenmann oder die Nebenfrau heute gerade nicht sieht. Uns allen gemeinsam aber ist die Gewissheit, dass der Frühling auf jeden Fall in jedem Jahr wiederkommt. Schon unsere Altvorderen besangen den Frühling in Wort und Bild.

 

Sehr nachdrücklich beschrieben im 19. Jahrhundert besonders die Dichter der Romantik jede Jahreszeit, aber vor allem auch den Frühling. Viele dieser Zeilen wurden zu Volksliedern. Zum Abschluss möchte ich Ihnen noch einige Gedanken von Ludwig Uhland in Erinnerung bringen:

 

Lob des Frühlings

Saatengrün, Veilchenduft,

Lerchenwirbel, Amselschlag,

Sonnenregen, linde Luft!

Wenn ich solche Worte singe,

Braucht es dann noch großer Dinge,

Dich zu preisen, Frühlingstag?

 

Ludwig Uhland

 

Und jetzt würden wir blutorangen uns freuen, wenn Sie vor dem einen oder anderen ausgestellten Werk mit uns gemeinsam verweilen würden. Wir stehen Ihnen gern zu einem Gespräch zur Verfügung.

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.