...vom Eise befreit...
Laudatio von Helma Hörath

Mission Orange

 

Das erste Mal präsentiert sich in diesem Jahr die Künstlerinneninitiative der „blutorangen“ im Rahmen der offenen Ateliers als Gruppe. Das war mit ein Grund, für die heutige Präsentation unseren Arbeits- und Ausstellungsschwerpunkt auf den Farbton Orange zu legen, denn er steckt in unserem Namen. Orange ist in den zurückliegenden 12 Jahren unsere Mission und unsere Passion als künstlerisch tätige Frauen geworden.


Erst mit dem Siegeszug der Frucht durch die Welt wird ihr Name auch zur Farbe.Im 13. / 14. Jh. findet sich das Wort orange als Adjektiv in Gesundheitsbüchern und kennzeichnet heilende Bitterstoffe. Erst mit dem Einzug der Frucht in die Küchen Europas und in die Gewächshäuser, den Orangerien, wurde der Name der Frucht zur Farbe. Und auch das ist ein Fakt, der unsere kleine Künstlerinnengruppe – wir sind neun Frauen – mit der Frucht und dem Weg der Farbbezeichnung verbindet. Denn unser Gruppenname ist wirklich nach der Frucht - in unserem Fall der Blutorange - gewählt worden.

 

Orange ist eine relativ moderne Farbe, denn erst mit dem Aufkommen der Warnfarben im 19. und 20. Jahrhundert – im Mittelalter wurde Farbe benutzt, um die Stellung in der Gesellschaft weithin zu signalisieren – und mit dem zunehmenden Einsatz von Kunststoffen in verschiedene Bereiche des Alltags haben wir uns an Orange gewöhnt.Orange ist eine seltsame Farbe. Es gibt sie an viel mehr Stellen, als wir es meinen. Die einen sehen sie als Gelb, die anderen als Rot. Sie steht im Farbspektrum im Bereich der warmen Farben zwischen Gelb und Rot. Ihre Komplementärfarbe ist Blau.

 

Auch wenn Orange in den letzten Jahren immer wieder mal zur Modefarbe wurde, ist dieser Farbton in Europa nach Braun die unbeliebteste Farbe, was zahlreiche Umfragen als Resultat hervorbrachten. In vielen Sprachen ist es eine der letzten, wenn nicht gar die zu allerletzt, genannte Farbe im Regenbogen. Jahrhundertelang gab es für Orange gar keine eigene Bezeichnung. Man hielt sie für eine unästhetische Mischung mit Rot oder für ein misslungenes Gelb. Im Gegensatz zu anderen Sekundärfarben wurde zumindest im deutschsprachigen Raum Orange nicht als eigene Farbe, sondern als ein Farbton von Rot betrachtet. Natürlich hat Orange immer in der Natur existiert, in Blüten, in Früchten, im Gemüse, bei Tieren oder am Himmel. Mit Pigmenten wie Safran oder auch mit Kurkumagelb wurde lange Zeit Kleidung gefärbt. Die preiswerteren chemischen Farben haben Safran abgelöst.

 

Orange ist als Symbol für nationale und religiöse Identität, aber auch für sportliche Zugehörigkeit verwendet worden. Und doch kommt es, wenn es um sein Ansehen geht, längst nicht an Rot heran. Das könnte an der Beschaffenheit von Orange liegen. Ist der orange Farbton eher blass, wird er mit Gelb identifiziert. Ist er dunkel, glaubt

man, ein Braun zu erkennen. Es ist eine Farbe des Lichts, des Feuers und damit des Todes, aber auch des Lebens, denn die Zapfen der Zirbelkiefer beispielsweise brauchen eine bestimmte hohe Temperatur, die bei einem Brand entsteht, um aufzuplatzen und die Samen frei zu geben. Orange erregt unsere Aufmerksamkeit am besten vor dem Hintergrund eines blauen Himmels, des Meeres oder des Eises. Dann wird man Orange vor jeder anderen Farbe entdecken. Deshalb wird Orange für Schwimmwesten, Rettungsringen und andere Notfallausrüstung, für Verkehrsleitkegel, Jagdausrüstung, für Gefängniskleidung, für Schutzwesten und andere ähnliche Kleidungsstücke eingesetzt.

 

Orange ist wie gesagt eine relativ junge Farbe und doch gleichzeitig eine ganz uralte, denn ihre Farbnuance gehörte zu den Erdtönen und zur Natur, im Boden, in Steinen lange vor dem Auftauchen von Lebewesen auf unserem Planeten. Und doch bestimmt die mittelalterliche Ablehnung der Farbe Orange als eine unreine Farbe noch immer unsere Sprache und unser Farbsehen. Wir nehmen weniger Orange war, als uns tatsächlich umgibt. Wir sprechen von Abendrot, obwohl Abendorange zutreffender wäre. Auch die Morgenröte ist meist mehr ein Morgenorange. Wir sprechen von roten Felsen (wie z. B. dem Uluru in Australien), doch bei genauerem Hinsehen ist es eher ein orangefarbener Felsen. Orange, das mit den Kreuzfahrern nach Mitteleuropa kam, ist bis heute in unserem alltäglichen Sprachgebrauch eine exotische Farbe geblieben.

 

Mit diesen kleinen Bemerkungen zu den Geheimnissen der Farbe Orange bitten
wir Sie, noch einmal in aller Ruhe durch unsere Ausstellung zu gehen. Wenn Ihre Augen über unsere Werke wandern, werden Sie vieles von dem gerade Gehörten oder Gelesenen irgendwo im Vordergrund oder im Hintergrund entdecken können.

Wir zeigen Ihnen, wie licht ein orange in einem Gebäude, in einem Gesicht, auf einer Blüte, in einer Landschaft strahlen und wie dunkel es auf bzw. in einer Frucht leuchten kann oder wie fest und innig die Verbindung von Orange mit Gold ist.
Als das Orange, das aus Indien stammt, auf seinem Eroberungsweg über Arabien und dem mauretanischen Spanien in Frankreich angekommen war, verwandelten die Franzosen das erste „a“ des spanischen Wortes „naranja“ in ein „o“, denn „or“ heißt Gold und das passt ganz wunderbar zu Orange. Auch das Rotgold glänzt manchmal orange.

 

Im linken Ausstellungsraum finden Sie Photographien, Collagen, unikate Handdrucke und großformatige abstrakte Malerei in Acryl. In der Mitte – im Eingangsraum – haben wir Ihnen unsere Ansichten von Natur, von ihren Produkten, ihren Früchten und ihren Landschaften angeordnet.Im rechten Raum finden Sie figurative Fantasien im Einklang mit nachempfundenen altmeisterlichen Stilleben.Der Maler Delocroix soll einmal gesagt haben: „Jedermann weiß, dass Gelb, Orange und Rot Ideen der Freude und des Reichtums in uns aufkeimen lassen.“

 

Das wünschen wir Ihnen beim Betrachten unserer Werke in Haus und Hof.

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