Vernissage >blutorangen< am 20. März 2013
Laudatio Ines-Angelika Lübbe

Meine Damen und Herren,

 

als kunstinteressierte Menschen, heiße ich Sie an diesem Abend, der kein gewöhnlicher Abend ist, herzlich willkommen in diesem wunderbaren Ambiente des Johanniter Krankenhauses im Fläming.

 

Die Malerei ist als Sprache viel spontaner und direkter als Worte, deshalb ist die Malerei als Mittel, um unsere inneren Stimmen auszudrücken, auch so viel wirksamer als Worte. Es gibt wohl einige Parallelen in der geistigen Haltung zur Malerei und Fotografie und den hier anwesenden Künstlerinnen, die ohne Zweifel Frauen mit Gespür für Farben sind. Interessante Frauenpersönlichkeiten aus unserem Land Brandenburg, mit Mut und Anmut im Dialog mit den Farben.

 

Es ist mir eine besondere Freude die Werke der „blutorangen" Frauen vorzustellen. Hobbykünstlerinnen aus der Region Kleinmachnow, Stahnsdorf, Teltow mit höchst unterschiedlichem Temperament. Ihre Kunst bereitet Freude, ruft beim Betrachter positive Emotionen hervor. Emotionen sind eine fundamentale Energie und Informationsquelle des Lebens. Ähnlich der Luft oder dem Licht umgibt uns diese Energie wie selbstverständlich und beeinflusst uns.

 

Berühmt werden wie Picasso, so lautete jedenfalls der Aufruf im Jahre 2003 der ehemaligen Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises PM und dahinter verberge ich mich, die zur Eröffnung der Frauenwoche um Künstlerinnen warb. 31 Künstlerinnen folgten diesem Aufruf. Im Gemeindezentrum Stahnsdorf präsentierten im Jahr 2004 zur 14. Brandenburger Frauenwoche diese 31 Künstlerinnen ihre Arbeiten als Projekt „blutorangen“. Die künstlerische Leitung hatte der Stahnsdorfer Maler Eberhard Trodler.

Aus dieser offenen Gruppe formierte sich die heutige Gruppe der „blutorangen“ mit 10 Künstlerinnen: Emma Anders, Brigitte Brettschneider, Gudrun Göhringer, Gudrun Witt, Helma Hörath, Ingrid Benes, Kyung Hee Hannes, Maria Hein, Renate Hartke, Ursula Pfuhl.

 

Das Repertoire der Künstlerinnen reicht von Malerei mit Öl, Acryl, Aquarell und Collagen, über Fotografie, Skulpturen und Installationen, Grafik und Illustration bis hin zur Verarbeitung eigener Texte sowie die Herstellung von handgeschöpftem und marmorierten Papieren. Seit 2010 ergänzen sie ihre Ausstellungseröffnungen auch mit Lesungen eigener Texte.

 

Die Themen der gezeigten Arbeiten sind zum Teil selbst gewählt oder aber durch die Einbindung in Projekte vorgegeben. Im November 2010 hatten die „blutorangen“ ihre erste Wanderausstellung. Gemeinsame Themen, mit denen sie sich künstlerisch beschäftigen, werden unterschiedlich bearbeitet, wie Sie, liebes Publikum, nachher bei Themen wie Wasserwelt und Schöpfungsgeschichte feststellen können.

 

Meine Damen und Herren, die Macht der Farben ist wunderbar. Mit Farben umgeben wir uns jeden Tag, unbewusst oder auch bewusst. Farben erreichen uns auf allen Ebenen, sie wirken auf Körper,

Seele und Geist.

 

So erging es mir als ich von Renate Hartke die Bilder „Licht in der Dunkelheit" und „Der Urknall" ansah. Meine Wahrnehmung: schön diese Farben, ein Intermezzo der Sinne. Das Bild „Mutter Theresa" von ihr zwingt zum Nachdenken, weil die Malerin es so will.

 

Kyung Hee Hannes sieht jedes Bild, das sie erschafft, als Spiegelbild ihrer eigenen Empfindungswelt; als Ergebnis ihrer Eindrücke und Erfahrungen.


Diese Disposition aus Erfahrungen und Erlebten sieht bei jedem anders aus - kein Lebensweg gleicht dem anderen - zum Glück, kein Erfahrungsschatz wird sich mit einem anderen vollständig decken können.


Die Bilder von Kyung Hee sind meist mit sinnlich kräftigem Strich und prallen Farben geschaffen. Für das Auge des Betrachters ist ihr Bild des ruhenden Schmetterlings auf einer Blume einfach wunderschön. Fasziniert werden sie, liebe Betrachter, auch sein von den „Teltower Rübchen" oder dem „Handschloss mit Türbeschlag". Lebenslust pur!

 

Brigitte Bretschneider lässt Bilder entstehen, die eine fast meditative Ruhe ausstrahlen und zugleich von einer eigenwilligen Spannung getragen werden, die zu näherem und noch näherem Hinsehen anregen. Diese Ruhe entsteht durch klaren, ausgewogenen Bildaufbau und wird durch sorgsam abgestimmte Farbgebung gestützt. Während die Spannung zum einen durch benennbare Gegensätze wie Tiefe und Oberfläche, Struktur und Glätte, Komposition und Zufall hervorgerufen wird. Der Clown oder der Mandarinen-Erpel sind Hingucker - und Sie werden sehen, die Vielzahl ihrer Bilder beweist das Gesagte spätestens bei ihrem Bild Sonnenuntergang.

 

Gudrun Witt - Wer die Bilder von Gudrun Witt sieht, vermag dem Auge etwas zu bieten. Der Betrachter wird hier mit Emotionen konfrontiert, die sich in nie dagewesenen phantastischen Gebilden vereinen. Darüber hinaus, und das macht ihren eigenwilligen Charakter aus, resultiert sie aus dem fühlbaren inneren Kontrast. Ihre Porträts spiegeln ein sublimes Farbempfinden wieder, wodurch Töne in vollster Harmonie aufeinandertreffen, gleich einer Komposition, und dennoch in ihrer Art immer wieder verschieden und einmalig. Diese Bildgewordenen Gefühle entbehren jeden Titels. Gudrun Witt hat mit dem Wort Wandel gespielt, mit Acryl bearbeitete digitale Selbstportraits die innere Wandlung von Trauer, Verlegenheit über Glück zur Freude ausdrücken. Ihr persönliches Bild: Endlich frei – da zeigt sie eine Frau mit Adlerschwingen und so ist sie.

 

Maria Hein - Während im Alltag unserer modernen Mediengesellschaft Fotos nicht wegzudenken sind und oft in enormer Geschwindigkeit auf uns einwirken, lassen Maria Heins Fotos einen ruhenden Ansatz erkennen, etwas Unvergängliches. Emotionale Ausdruckskraft sind ihre Begleiter. Die Bildwelt der Maria kann man als gestaltete Poesie bezeichnen. Die Imagination ist für sie Ausgangspunkt, Inhalt und Wirkung. Ihre Bilder sind Gleichnisse und Geheimnisse - siehe ihre Bilder mit Kratztechnik. Maria hat mit ihren illustrativen Fotografien speziell bearbeitet, was Frauen bewegen oder bewegt und Bewegung ist Veränderung.

 

Helma Hörath - Ihre Bilder sind ein Geschenk an uns als Betrachter. Sie liebt es mit dem Auge „beseelte Augenblicke" einzufangen und sie zu transportieren.
Schleichend tropft die Nacht
Wasser im Nebelmantel

verhüllt, doch sichtbar

Ist das nicht eine tolle Aussage für ein Bild? Oder:

Leise kommt der Tag
Lotus und Frösche warten
auf den Lichterball.
Ein wunderschöner Augenblick und das auf einem Bild?

     

Oder man wartet auf ein Bild, wenn man diesen Text liest:

die letzte Fliege
des gestrigen Sonnentags.
Ich les Ihnen noch einige Titel vor, die alle auf ein Bild passen würden, wenn die Fantasie es zulässt.
Ein Mondfunken stürzt hinein,
lässt das Wassertuch platzen
Hoch springen Tropfen,
küssen Horizont und Mensch,
doch der Traumgeist drückt.
Im Bild „Prinzip Mutter" ist Helma Höraths Geschichte zu finden, ihre Spur, sie hat die Visionen ihrer Mutter, Großmutter und Urgroßmutter erfüllt.

 

Ingrid Benes - In unserer heutigen Zeit der Hektik liegt es ihr am Herzen, den Menschen Bilder zu geben, die das Leben positiv bereichern. Sie möchte der Betrachterin und dem Betrachter in die farbenprächtige Welt entführen, eine Faszination für das Alltägliche und einen Sinn für das Detail entwickeln - auf dass die Welt durch ihre Malerei ein bisschen schöner werde. Wenn sich beim Anblick ihrer Bilder ein Lächeln auf Ihre Gesichter schleicht, liebe Gäste, dann hat sie ihr Ziel erreicht. Kraftvoll, lebendig und wohltuend sind ihre Bilder. Schiffe und Bootsschrauben sind daher ein anziehendes Motiv für sie. Ihre Bilder „Geborgenheit" oder der „Verwunschene Wald" strahlen Schönheit, Ruhe und Transparenz aus.

 

Emma Anders - Die Schöpfungsgeschichte darzustellen oder Mutter Erde im Winterschlaf zu sehen, das birgt das Besondere in sich - das Schöne an uns Frauen, Kraft und Stolz. Sie werden angelockt mit den Augen, diese Bilder zu umschmeicheln. Ihr Bild „die Verwirklichung eines Traumes" zeigt Spuren und Visionen. Die schwachen Farben im Strudel, doch hoffend, dass die Energie der Farben wirkt.

 

Ursula Pfuhls Bilder sind lebendige Spuren, Spuren, die Ruhe und Hektik vereinen.
Sie bringt Großstadtflair mit in das Leben ein. Man fühlt sich eingebunden. Wunderbare warme Farben. Farben, die einladen zum Träumen. Herbstliche Farben, Sommerfarben erlauben verträumte Augenblicke.

 

Gudrun Göhringer - Das Bild „Isabella", eine selbstbewusste portugiesische Studentin, hat einen wunderbaren Blick. Ein Blick der Liebe, Glück und eine strahlende Zukunft beinhaltet. Aber auch die "Spiralgalaxis" oder „Sonnenstürme" lassen den Blick auf ferne zu.

 

Die Farbenkünstlerinnen der „blutorangen“ wollen die Betrachtenden neugierig machen auf ihre Bilder und Fotografien. Freuen Sie sich auf einen interessanten Abend mit Frauen, die das Rot mit dem Orange tanzen lassen und dabei das freche Gelb nicht vergessen und dem Grün alle Chancen einräumen. Ein Tornado der Farben.

 

Treten Sie ein in die magische Welt der Farben. Lassen Sie den Glanz in Ihren Augen zu und entdecken Sie bei dieser Vernissage, dass diese gemalte Bilder und Fotografien ein großartiges Geschenk für Ihre Seele sind. Es kommt darauf an wie Sie Bilder und Fotos sehen, durch welche Augen Sie schauen. Schauen Sie mit den Augen der Ganzheit oder mit den Augen der Getrenntheit. Es sind Werke von Künstlerinnen die mit dem Leben tanzen.

 

Ich bedanke mich bei den Künstlerinnen für Ihr Vertrauen und mein Respekt vor dieser Arbeit. Ich fühlte mich geehrt heute die Laudatio halten zu dürfen.


Ich danke Ihnen. Bitte feiern Sie gemeinsam mit mir diese großartigen Frauen.

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